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Anselm Gehling verlässt Dr. Peters
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Virtuelle Börsengänge in der Krypto-Welt, Teil I

Begriffsbestimmung und Beispiele

18.09.2018 10:00:00, von Christina Anastassiou
ftx - aktuelle News
  • Marvest bietet Schiffsinvestment ab 500 Euro

    Die Ernst-Russ-Tochter Marvest GmbH, eine neue Crowdinvesting-Plattform für maritime Investments, bietet ein Nachrangdarlehen zur anteiligen Finanzierung des Mehrzweckfrachters „Louise Auerbach“ an. Ab 500 Euro kann man für den geplanten Zeitraum von 6 Jahren investieren. Vierteljährlich will die Emittentin eine Projektgesellschaft der Reederei Auerbach 6,5 Prozent p.a. auszahlen.
  • Anselm Gehling verlässt Dr. Peters

    Zum Jahresende verlässt Anselm Gehling die Dr. Peters Group. Er führte das Unternehmen sieben Jahre lang nach dem plötzlichen Tod des Firmengründers Jürgen Salamon im Jahr 2012. Er scheidet, wie das Unternehmen betont, auf eigenen Wunsch und im besten gegenseitigen Einvernehmen aus. An seine Stelle tritt eine der beiden Töchter Jürgen Salamons, Kristina Salamon, die als Sprecherin der Geschäftsführung zusammen mit den Geschäftsführern Markus Koch und Albert Tillmann die Gruppe leiten wird.
  • Bemerkenswerter Zweitmarktumsatz

    Auf zweitmarkt.de wurden heute Anteile des Immobilienfonds Merkens 13 in Höhe von nominal 650.000 Euro zum Kurs von 50,5 Prozent gehandelt. Das EK-Volumen des Fonds beträgt rund 56 Millionen Euro, davon sind seit 1994 90 Prozent zurückgeführt worden.
  • Uli Fischer verstärkt Investmentteam der Fonds Finanz

    Uli Fischer verstärkt das Investmentteam des Münchner Maklerpools Fonds Finanz als Teamleiter Produktmanagement & IF Systemvertrieb und übernimmt die Verantwortung für die technische Weiterentwicklung der hauseigenen Beratungsplattform Advisor’s Studio. Fischer war zuvor u.a. bei Fundsaccess und Fundscapital.
  • Generationswechsel bei Project

    Michael Seeberger, ältester Sohn von Firmengründer Jürgen Seeberger, ist zum 1. November 2018 in den Vorstand der Holdinggesellschaft Project Real Estate AG eingetreten. Dort führt er neben Jens Müller, Henning Niewerth, Karen Rieck, Matthias Schindler und Michael Weniger die Unternehmensgruppe mit rund 600 Mitarbeitern. Vater Seeberger wechselte vergangenes Jahr in den Aufsichtsrat.
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Goldgräberstimmung. Ein innovatives Finanzierungsinstrument löst Goldgräberstimmung aus, lockt reihenweise Startups und Investoren an, aber auch die sprichwörtlichen schwarze Schafe und Hacker. Es alarmiert viele Aufsichtsbehörden, und nicht wenige Akteure der deutschen Finanzbranche fordern mittlerweise eine stärkere Regulierung. Die Rede ist vom Initial Coin Offering oder kurz ICO, einem Crowdfunding mit Kryptowährungen. Seine Bezeichnung erinnert an den regulierten Börsengang (Initial Public Offering beziehungsweise IPO) am Aktienmarkt, doch technisch und rechtlich steckt etwas anderes dahinter.

ICO in Kürze. Bei einem ICO gibt ein Emittent, oft ein Startup-Unternehmen, sogenannte Tokens aus und verkauft sie gegen eine gesetzliche Währung wie den Euro beziehungsweise Dollar oder – was häufiger ist – gegen virtuelle Währungen wie Bitcoin oder Ethereum. Derzeit finden ICOs der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zufolge technisch in zwei Formen statt: Die erste besteht aus Programmiercodes – genannt Smart Contracts – oder dezentralen Anwendungen (Distributed Apps, kurz dApps). Das sind Vereinbarungen, deren Programmcode auf einer bestehenden Blockchain wie etwa Ethereum hinterlegt ist. Die zweite besteht aus neu geschaffenen Blockchains. In beiden ICOFormen werden neue, digitale Einheiten erzeugt. Diese werden meist in einem unregulierten, öffentlichen Bieterverfahren verkauft, dem Token Sale. Da ICOs nicht zwangsläufig unter das Aktienrecht fallen, sind mit einem Token nicht automatisch Mitgliedschafts-, Informations-, Kontroll- oder Stimmrechte verbunden. Meist schildern die Emittenten ihre Pläne und die Funktionsweise der Tokens in einem Whitepaper, dessen Inhalt aber gesetzlich nicht vorgegeben ist.

Aufsichtsbehörden sind alarmiert. Die BaFin warnt seit November 2017 vor hohen Risiken für Verbraucher. Es heißt unter anderem, ein Totalverlust der Investition sei möglich, viele ICOs fänden im unregulierten Raum statt, oftmals existierten kein Verbraucherschutz, keine kapitalmarktspezifischen Anlegerschutzinstrumente und kein Schutz personenbezogener Daten. Zudem böten ICO-Strukturen großes Potenzial für Missbrauch und Betrug. Auch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) hebt die Risiken für Investoren und Unternehmen hervor. Chinas Aufsicht beispielsweise ist noch weiter gegangen. Michaela Hönig, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Finanzwirtschaft und Asset Management an der Frankfurt University of Applied Sciences: „Die chinesischen Regulierungsbehörden haben ICOs im September 2017 für illegal erklärt und kurz danach die Handelsplattformen des Landes geschlossen.“ Auch die US Wertpapieraufsicht greift durch in puncto ICO. „Die SEC betrachtet jedes ICO als ein Security Offering, es muss also von ihr genehmigt werden. Sie hat Ende 2017 eine spezielle Cyber-Einheit gegründet, die seitdem mindestens zwei Fälle wegen des Verdachts auf Betrug eröffnet hat“, sagt Adrian Wons, ICO-Experte bei der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft EY. Die BaFin hat seit der zweiten Jahreshälfte 2017 vermehrt Anfragen von deutschen ICO-Emittenten erhalten. Sprecher Mario Kyriasoglou: „Wir haben die ICOs aber bewusst nicht verboten, sondern nur eine Verbraucherwarnung veröffentlicht, weil sie eine legitime Form der Unternehmensfinanzierung darstellen können. Die Regulierung sollte so etwas nicht behindern. Wenn ICOs unter unsere Aufsicht fallen, schauen wir sehr genau hin.“

Grobe Einteilung der Tokens. Der BaFin zufolge existiert keine Legaldefinition für die unterschiedlichen Tokenklassen. Dadurch seien die emittierenden Unternehmen beim Beschreiben ihrer Tokens nicht an bestimmte Nomenklaturen gebunden. Entscheidend sei, welche Rechte mit dem jeweiligen Token verbunden seien. Die typisierende Bezeichnung sei dabei nicht maßgeblich, auch wenn eine Kategorisierung – beispielsweise nach „Wertpapierähnliche Token“, „Utility Token“ und „Payment Token“ – einen ersten Anhaltspunkt für die Art des Tokens liefern könne. Rechtsanwalt Matthias von Oppen, Partner im Bereich Corporate Transactions bei der Kanzlei Ashurst, teilt die Tokens in drei Klassen ein: „Der Currency Token ist eine reine Währung, etwa der Bitcoin, und besitzt keinen Mehrwert wie eine Dienstleistung oder verbriefte Rechte. Die derzeit dominierenden Utility Tokens ermöglichen Zugang zu Dienstleistungen oder digitalen Nutzungen. Und der Security Token hat Wertpapiercharakter, aber es gibt aufgrund der höheren regulatorischen Anforderungen offiziell noch keinen Securities Token ICO in Deutschland.“ Der Trend gehe dahin, Marktplätze zu schaffen, um sogenannte Security Token Offerings oder kurz STO handelbar zu machen. Prinzipiell ähnele ein Equity Token zwar wieder der klassischen Aktie, so der Rechtsanwalt, aber das Blockchain-basierte Produkt lasse sich deutlich flexibler ausgestalten als Anteile an einer AG oder GmbH. Professor Philipp Sandner, Leiter des Blockchain Center der Frankfurt School of Finance and Management, bevorzugt für die Security Token die Bezeichnung Investment Token: „Hier werden Genussrechte, Anleihen oder Aktien, aber auch Gold und andere Rohstoffe nicht mehr wie im herkömmlichen Sinne in einer Urkunde oder physisch verbrieft, sondern auf Token-Basis komplett digital gespeichert werden.“ Er beobachtet, dass insbesondere institutionelle Investoren zunehmend Kryptowährungen und Security Token nachfragen – allerdings noch auf einem sehr niedrigen Niveau.

Zwei Beispiele für Utility Tokens. Angesichts der dominierenden Rolle der Utility Tokens verdeutlichen die folgenden Beispiele, wie die damit verbundenen Dienstleistungen aussehen können. Erstens sammelt die Firma Blockchain Helix per ICO Kapital für ihre eigene ICO-Plattform „Helix Orange“ ein, die sich mit geprüften, digitalen Identitäten beschäftigt. Die Plattform soll, so das Unternehmen, rechtskonforme ICOs klar und einfach ihren akkreditierten Investoren präsentieren. Diese müssen eine Legitimationsprüfung zur Verhinderung von Geldwäsche bestanden haben (Know your customer, KYC). Das Blockchain-basierte System befinde sich derzeit in der Testphase. Emittiert wird der sogenannte HIX Token, der den Plattform-Nutzern Zugriff auf alle Helix-Orange-Dienste bieten soll. Dazu gehören bessere Informationen zu den dort präsentierten ICOs und Vorzugkonditionen beim Zeichnen. Der öffentliche Verkauf (Public Sale) wird ab September auf der Website ico.helix-orange. com verkündet. Insgesamt werden fünf Milliarden HIX Tokens ausgegeben, und 3,5 Milliarden Tokens stehen im ICO zum Verkauf. Die nicht verkauften Tokens sollen verbrannt werden, so der Fachjargon. Ein zweites Beispiel ist die Firma Trusted Cars, die per ICO Investorengelder für ihre neue, Blockchain-basierte Applikation „Trusted Cars Flex“ einwirbt. Die App soll ihrem User einen flexiblen Zwitter zwischen Mietwagen und Leasingfahrzeug bieten: Ohne langfristige Verträge soll er gegen eine nach Firmenangaben günstige wöchentliche Zahlung ein gepflegtes Auto inklusive Wartungen, Versicherung und Kfz Steuer beliebig lange nutzen und gegen andere Fahrzeuge tauschen können. Den teilnehmenden Händlern soll das System eine zusätzliche Einkommensquelle bieten sowie den Zugang zu einer neuen Generation von Verbrauchern. Ab Ende 2018 sollen einzelne Kunden die App testen. Der emittierte FLEX Token soll bei diesem Geschäft als Währung dienen. Im August läuft der private Vorabverkauf, und der öffentliche Verkauf ist vom 17. September bis zum 31. Oktober angesetzt. Während des ICOs sollen 520 Millionen der insgesamt emittierten 800 Millionen Tokens verkauft werden. Trusted Cars werde als abgeschlossene Wirtschaft keine zusätzlichen Tokens ausgeben, und nicht im ICO verkaufte Tokens sollen ebenfalls verbrannt werden.
Der Beitrag ist Teil der aktuellen Ausgabe der Fondszeitung zum Schwerpunkt "Sachwerte digital". Die Ausgabe kann beim Verlag kostenfrei angefordert werden: 030/4000 68-24.

Die Fortsetzung des Beitrags erscheint morgen.
Dr. Tilman Welther

Editorial

Share Deals – 5/5 werde zu 10/10

Am 29. November haben sich die Finanzminister der Länder einmal mehr darauf verständigt, Share Deals erschweren zu wollen. Bereits im Juni dieses Jahres einigten sie sich auf den Vorschlag, dass Grunderwerbsteuer bereits dann ausgelöst werden möge, wenn mindestens 90 Prozent der Anteile einer Objektgesellschaft veräußert werden und nicht erst bei 95 Prozent, wie es gegenwärtig noch gilt. Auch die Haltefrist von derzeit fünf soll auf zehn Jahre verlängert werden. ...

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